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Textsorte

Das Response Paper ist keine Zusammenfassung.

Genau daran scheitern die meisten: Sie referieren den Text, den sie kommentieren sollen. Ein Response Paper verlangt eine eigene, begründete Position zu einem fremden Text — und der Platz dafür entsteht nur, wenn die Wiedergabe kurz bleibt.

Für: StudierendeStand:

Die Textsorte

Was ein Response Paper verlangt.

Ein Response Paper — je nach Seminar auch Reaktionspapier, Thesenpapier oder Reading Response — ist ein kurzer Text, in dem Sie zu einem gelesenen Text Stellung beziehen. Üblich sind zwei bis fünf Seiten, oft wöchentlich, oft unbenotet oder nur bestanden/nicht bestanden.

Der Zweck ist nicht, zu zeigen, dass Sie gelesen haben. Der Zweck ist, zu zeigen, dass Sie mit dem Gelesenen etwas anfangen können. Ihre Dozentin weiß, was in dem Text steht — sie hat ihn ausgewählt. Was sie nicht weiß, ist, welche Stelle Sie überzeugt hat, welche nicht, und was Sie daraus schließen.

Daraus folgt die einzige Regel, die alle anderen erklärt: Die Wiedergabe ist Mittel, nicht Zweck. Sie referieren nur so viel, wie Ihre Position zum Verständnis braucht — und keine Zeile mehr.

Aufbau

Ein Aufbau, der trägt.

Es gibt keine vorgeschriebene Gliederung, aber eine, die für die meisten Seminartexte funktioniert. Die Prozentangaben sind Richtwerte für ein dreiseitiges Papier:

  1. Einstieg · etwa 10 %

    Ein bis zwei Sätze: welcher Text, welche These des Textes Sie aufgreifen. Keine Autorenbiografie, keine Einordnung in die Forschungsgeschichte.

  2. Fokussierte Wiedergabe · etwa 25 %

    Nur der Argumentationsstrang, auf den Sie reagieren — so genau, dass Ihr Einwand nachvollziehbar wird. Mit Seitenangabe.

  3. Ihre Position · etwa 50 %

    Zustimmung, Widerspruch oder Weiterführung — begründet. Hier gehört der Platz hin, und hier wird bewertet.

  4. Offene Frage · etwa 15 %

    Was aus Ihrer Position folgt, oder was sie offenlässt. Eine gute Frage am Ende ist im Seminar mehr wert als eine glatte Zusammenfassung.

Wenn Sie unsicher sind, ob der Anteil stimmt: Markieren Sie im fertigen Text alles, was auch in einer Zusammenfassung stünde. Bleibt weniger als die Hälfte übrig, ist es noch kein Response Paper.

Der Kern

Wie aus einer Meinung eine Position wird.

Der Unterschied liegt in der Begründungsform. Eine Meinung sagt, wie der Text auf Sie gewirkt hat. Eine Position sagt, was an ihm zutrifft oder nicht — und macht sich damit überprüfbar.

Drei Zugänge, die fast immer etwas hergeben: Prüfen Sie die Reichweite der These — gilt sie auch für den Fall, den die Autorin nicht behandelt? Prüfen Sie die Belege — trägt das Material die Schlussfolgerung, oder ist der Schritt größer als die Daten? Prüfen Sie die Voraussetzungen — was muss wahr sein, damit das Argument funktioniert, und wird das begründet oder nur unterstellt?

Jeder dieser drei Zugänge produziert einen Satz der Form „X gilt, aber nur solange Y“ — und das ist eine Position.

Fehlerbild

Fünf Fehler, die Punkte kosten.

  1. 01Zu viel Wiedergabe

    Zwei Drittel Zusammenfassung, ein Drittel eigene Position — und das Drittel steht am Ende, wo es niemand mehr erwartet. Das Verhältnis gehört umgedreht.

  2. 02Meinung ohne Anker

    „Ich fand den Text überzeugend“ ist keine Position. Eine Position benennt, welcher Teil des Arguments trägt oder bricht, und warum.

  3. 03Kein Textbezug

    Wer reagiert, muss zeigen, worauf. Ohne Seitenzahl oder Zitat lässt sich nicht prüfen, ob die Reaktion den Text trifft oder eine Erinnerung an ihn.

  4. 04Alles auf einmal

    Ein Response Paper verhandelt einen Strang, nicht sieben. Drei halb ausgeführte Einwände wiegen weniger als einer, der zu Ende gedacht ist.

  5. 05Das Fazit wiederholt

    Wenn der letzte Absatz nichts enthält, was nicht schon oben stand, kann er weg. Ein Schluss verschiebt die Frage, er fasst sie nicht zusammen.

Bewertung

Woran es gemessen wird.

Wo ein Response Paper benotet wird, laufen die Kriterien fast immer auf dieselben vier hinaus: Verständnis des Ausgangstextes, Eigenständigkeit der Position, Qualität der Begründung, sprachliche Klarheit. Wenn Ihre Dozentin ein Bewertungsraster ausgibt, lesen Sie es vor dem Schreiben — es sagt Ihnen, wo die Punkte liegen, und die Gewichtung ist selten gleichmäßig.

Gibt es keines, fragen Sie danach. Wie ein solches Raster aufgebaut ist und warum die Gewichtung mehr über die Erwartung verrät als die Kriterien selbst, steht im Beitrag zum Bewertungsraster für die Hochschule. In LearningArc entspricht dem die Rubrik einer Aufgabe: Sie steht vor dem Schreiben fest und ist derselbe Maßstab, an dem der Entwurf später geprüft wird — siehe kriterienbasiertes Feedback.